Tag 12: Polizei, ein Retter und der Hafenbrommer


Alles ist nass und im Auto reicht es nach totem Neopren!
Wir gönnen uns also seit Tagen mal eine Wanderhütte und haben ein richtiges Bett, eine warme Heizung und kochen zur Abwechslung unseren Kaffee mal nicht im Regen. So gut geschlafen haben wir lange nicht und da heute Morgen noch starke Böen gemeldet sind, machen wir gemütlich und freuen uns noch ein bisschen über die kleinen Dinge des Lebens.

Am Startpunkt angekommen, finde ich, dass der Wind noch ganz ordentlich bläst. Anja guckt mich von der Seite an und meint: bist`de jetzt auf einmal Pientzjen? Recht hat sie, ne bin ich natürlich nicht denk ich mir und lade das Kajak vom Dach. Los geht’s, der Wind blässt von der Seite, die Wellen sind höher als sonst und mit Funky Soul im Ohr finde groove ich mich ein. YEAHH!!! was für ein schönes Gefühl denke ich. Dann lässt der Wind nach und ich mache ein paar Kilometer, es läuft wieder und fühle mich super – Danke für dieses Abenteuer.

Als ich die Brücke von Willemstaad passiere, kommt wieder der Fön von vorne und es baut sich eine weiße Wand vor mir auf. Ein Segler kommt mir entgegen und grüßt, guckt ein wenig verdutzt und lächelt. Ich kämpfe mich entlang der roten Bojen und suche nach 3 Stunden einen in Sicht kommenden Yachthafen. Ich nutzte die Gelegenheit und esse mal was. Mmmh, lecker Sandwiches im Regen, na ja, das Brot ist eh weich, da macht das Wasser von oben auch nicht mehr viel.

In den Mästen der Segelboote klappert und pfeift es und ich beobachte die Verklickerer. Die Windmesser drehen sich schnell und auch nach 1 Stunde kein abklingen. O.k. das war`s für heute! Anja anrufen und ein Lager aufschlagen, denke ich mir, doch mein Telefon spinnt. Sie kann mich nicht hören, auch per SMS keine Reaktion.
Ich will ihr noch meine Position schicken, aber auch mein Handy weiß nicht, wo ich bin!

Also mache ich mich auf die Suche nach einem Menschen im Hafen und finde tatsächlich jemanden, der bei dem Sauwetter an seinem Boot arbeitet. Ich frage ihn, ob er weiß, wo ein Telefon ist. Brauchen Sie Hilfe – wo ist Ihr Boot? fragt er. Ich zeige auf mein Kajak am Ende des Hafenbecken und er guckt irritiert „mit die Kajak sind Sie gekomme?“ Ja, und es waren draußen ganz schön heftige Böen, jetzt möchte ich mein Begleitfahrzeug anrufen, aber mein Telefon hat vielleicht Wasser abbekommen.
Kein Problem, kommen Sie an Board. Ich kletter auf die kleine Segelyacht, und er kramt unter Deck seine Taschen durch, irgendwo – ah da ist es. 10 Euro, nicht so modern, aber funktioniert! Ich bekomme Anja an die Leitung und sage ihr, wo sie mich findet. Der nette Segler hilft mir noch, mein Boot zum Ausgang zu tragen, denn hier ist alles abgeschlossen! Er meint noch, ich schreibe einen Artikel in unsere Yachtclub Zeitung – über Sie, ein grüner Kajakfahrer, der Plastikmüll zu Kunst macht und die Nordsee rettet. Klar gerne, und danke ihm mehrmals!
Ich schieße noch ein Erinnerungsfoto und wir sagen uns auf Wiedersehen.

Als Anja eintrifft und wir das Kajak aufgeladen haben, kommt der Hafenmeister angebrommt!
Hey Sie!! gleich kommt die Polizei!
Ich – hä wieso?
Sie sind in den Hafen eingefahren und der Alarm ist angegangen!
Upps, denke ich – entschuldigen Sie bitte, es war so windig und ich habe Schutz gesucht.
Er wiederolt sich bestimmt noch drei mal, auch meine Erklärungsversuche scheitern.
Aber bei ihm kein ankommen, die Polizei hat uns angerufen, da ist ein Kajakfahrer im Hafen – Videoüberwachung da oben!! Ich versuche es noch einmal und möchte ihn beruhigen, dass ich harmlos bin und nur Schutz vor dem Unwetter gesucht habe. Dann dreht er sich um und brummt mit seinem Auto davon.

Keine Polizei, nur ein Kajakfahrer, der sich grad noch vor der Überwachungskamera umzieht und zum Gespött der Wache wird.

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