Tag 13: Sehnsucht, Tränen, Freude und endlich Rückenwind


Mann o Mann ist mein erster Gedanke, als ich am Frühstückstisch den Wetterbericht checke. Gegen Mittag wieder mehr Wind und teilweise werden starke Böen gemeldet. Bei dem Wetter werde ich die Nordsee vermutlich erst morgen erreichen. Wir packen unseren Kram und starten los. Anja meint auf der Fahrt noch „ich glaub‘, du schaffst das heute“ und als wir am Ufer ankommen, denke ich, wie soll ich das bei dem Wind schaffen?

Ich schlüpfe seit Tagen endlich mal wieder in frisch gewaschene und trockene Klamotten. Hatte gestern mal das Glück eine Waschmaschine zu nutzten und eine Heizung, um alles über Nacht trocken zu bekommen. Es geht hinaus aus dem Hafen, ich rufe noch ein bis nachher zu und setze mir die Kopfhörer ins Ohr. Los geht`s!!

Der Wind kommt heftig von der Seite und die Wellen versetzen das Boot, mit dem ausgefahrenen Skeg geht es einigermaßen, doch wäre eine Steueranlage sicher von Vorteil, um die Linie zu halten. Die Wolken lichten sich langsam, und ich freue mich über ein paar Sonnenstrahlen. Vorbei am Ufer, dort finde ich ein wenig Windschutz, sehe ich alle paar Meter Plastikmüll liegen und auch eine Plastikkiste die ich kurzerhand Auflade.
Aber: Stephan du kannst jetzt nicht die ganze Zeit Müll sammeln, sonst schaffst du es nie bis zur Nordsee.
Auch wenn es mir schwer fällt, muss ich mich auf das Ziel konzentrieren. Vorbei an den Windrädern, vorbei an Vogelschutzzonen und Schafsherden. Kommt immer noch kein Damm in Sicht – wäre er doch zu sehen, dann ist es nicht mehr weit bis zum Meer!

Plötzlich dreht der Wind und die Wellen kommen von hinten, YEAHH zum ersten mal ein kleiner Schub. Dann quakt mein Telefon. Eine SMS noch eine SMS und noch eine. Meine Freunde und Familie teilen mir mit: Stephan, du hast es geschafft – dein Crowdfundingziel ist erreicht.
GLÜCKWUNSCH! Ich muss grinsen, es überwältigt mich und mir kommen vor Freude die Tränen! WIR haben es geschafft, wir haben es geschafft. Die erste Hürde ist erreicht und mir fällt ein Stein vom Herzen.
Ich verstaue mein Handy und paddel was das Zeug hält! Jetzt erst recht denke ich – heute wird das Ziel erreicht.
Mir kommen die letzten Tage in den Sinn, die Motivation durch euch! Wir haben es endlich geschafft!
Ich gebe nochmal alles – für euch! Für das Meer und für eine Veränderung im Umgang mit unsereren Flüssen und Meeren.

Da kommt mir der Refrain von Thomas D in den Kopf, „der Typ hat ne Meise aber Rückenwind!“ und ich paddel, paddel und paddel. Endlich kommt der Damm in Sicht und ich fühle mich vom Meer angezogen. Noch einmal vergehen 1,5 Stunden bis ich im Hafen vor dem Damm ankomme. Wo ist die Schleuse? Auf der Karte ist es etwas anders eingezeichnet und so paddel ich ein wenig orientierungslos umher, finde dann aber die Schleuseneinfahrt. Misst, die Ampel ist rot!! Kein Schiff weit und breit, keine Telefonnummer, um den Schleusenmeister zu erreichen, was nun? O.k. aussteigen und umtragen denke ich mir, als ich dann nette deutsche Touristen nach dem Weg frage und ob sie eine Möglichkeit kennen, die Schleuse zu umgehen, meinen sie nur, dass es mit dem Rad nicht möglich ist! Nur mit dem Auto hinten rechts unter der Bundesstraße entlang! O.k. dann halt mit dem Auto um die Schleuse – Anja und ich laden auf, fahren drumherum und ich setze direkt hinter der Kammer wieder ein.

Ich schaffe es – Mensch, nur noch um die Ecke und dann ist es geschafft. Ein Auto kommt angerauscht, hupt und ich entdecke meine Eltern! Jaaaa – geschafft!! rufen sie und ich winke kurz und paddel aus dem kleinen Vorhafen. Da ist es, das Meer! Endlich, ich hab‘ es geschafft, kann es kaum glauben, halte meine Hände ins Wasser, schmecke sie ab und werfe mir Wasser ins Gesicht! Salzwasser – geschafft!

Ich paadel aufs Meer hinaus und schließe meine Augen, mache mir noch einmal das Gesicht mit Wasser nass und dann bin ich überwältigt von allem was in die letzen Wochen passiert ist, die Unterstützung, die Sorgen, alle Hochs und Tiefs, werde ich es schaffen? Auch in der geplanten Zeit … und jetzt? Da bin ich, mit eurer Unterstützung!
Da taucht plötzlich eine Robbe 10 Meter vor mir auf, doch bevor ich meinen Reißverschluss von der Schwimmweste öffnen kann, um die Kamera zu ziehen, ist sie auch schon wieder verschwunden.
Ich schieße noch ein paar Bilder, schließe meine Augen und bleibe noch eine Weile. Bis die Flut kommt, dauert es noch eine Stunde und so beschließe ich, morgen eine Extrarunde zu drehen!

Mein Familie wartet schon sehnsüchtig, dann drehe ich um und fahre ihnen entgegen. Meine Eltern, Kerstin und Piet und Anja stehen am Ufer und winken, klatschen und rufen – du hast es geschafft!! Super gemacht!!
Die letzten 200 Meter ziehe ich mein Kajak über den matschigen Sand und falle erschöpft in die Arme meiner Familie.

Geschafft, denke ich, meine Reise ist nun zu Ende, ich bin am Ziel angekommen.
Ich ziehe mein Boot über den Damm und lade es auf’s Auto, und wir fahren weiter in Richtung Süden.
Meine Eltern haben dort ein Ferienhaus gemietet und so freue ich mich auf eine warme Dusche, ein warmes Essen und auf die extra Runde – morgen auf dem Meer!!

Ich möchte euch allen DANKE sagen, DANKE für eure Unterstützung, eure Motivation, DANKE an meine Sponsoren,
meine Freunde und meine Familie, die immer an mich und meinen Weg geglaubt haben.

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